Sonntag,
25. Juni 2017

Die verschenkte Presse

Die Geschichte der Lizenzierung von Zeitungen nach 1945

Verlag für Ausbildung und Studien, Berlin 1982

Unsere heutige Presselandschaft ist nicht das Ergebnis einer historisch kontinuierlich gewachsenen Entwicklung , sondern eine Folge der Niederlage des deutschen Faschismus. Dieser hatte den überwiegenden Teil des Zeitungswesens requiriert oder ihn durch Zensur und Terror gefügig gemacht. Diese Presse wurde durch die Alliierten außer Kraft gesetzt und aufgelöst.

Ab Sommer 1945 setzte ein organisierter Neuaufbau ein. Eine demokratische, freie Presse ohne Tendenz zur Konzentration sollte entstehen. Das Mittel der Alliierten war hierzu die »Lizenzierung«. Einzelne Personen oder auch welt-anschaulich pluralistisch zusammengesetzte Personengruppen erhielten die »Lizenz« zur Herausgabe einer Zeitung. Ein »Geschenk«, das den Beschenkten in der Regel nicht nur Wohlstand, sondern auch maßgeblichen Einfluß im Nachkriegsdeutschland bescherte.

Durch die Spaltung Deutschlands und den zunehmenden Antikommunismus wurden die fortschrittlichen Ansätze dieser Pressepolitik rasch ausgehebelt. Lizenzträger wie der deutschnationale Axel Springer (»Hör zu«) und der liberale Rudolf Augstein (»Der Spiegel«) bauten ihre Pressekonzerne auf, während antifaschistische und kommunistische Träger schon früh entfernt wurden. »Die verschenkte Presse« erzählt die Geschichte der Lizenzierung und ihre Folgen u.a. anhand der »Süddeutschen Zeitung«, der »Frankfurter Rundschau« und der »Rhein-Neckar-Zeitung«.

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