Sonntag,
25. Juni 2017

Das Urlaubs-Kartell


fairunterwegs.de, 18. Januar 2005

"... Besonders spannend sind seine Ausführungen über die Macht und den Einfluss der global agierenden Tourismuskonzerne im Ausland und in den Zielgebieten ..."


Spiegel-online, 15. Juli 2002

Interview mit dem Politikwissenschaftler und Autor Rüdiger Liedtke über die Macht der Reisekonzerne


Integra – Zeitschrift für Integrativen Tourismus und Entwicklung, März 2004

Urlaubs-Kartell

Der Politikwissenschaftler Rüdiger Liedtke analysiert in sehr anschaulicher Weise die Konzentrationsprozesse der Branchenriesen, die in den letzten Jahren die Tourismusindustrie in ihren Strukturen grundlegend verändert haben. Gekonnt zeigt Liedtke auf, welche Mechanismen und Verflechtungen das Geschäft mit den sogenannten "schönsten Wochen des Jahres" zu einem Milliardenspiel gemacht haben, bei dem immer mehr Abhängigkeiten entstehen. Er führt vor allem am Beispiel der drei Großkonzerne World of TUI, Thomas Cook und Rewe-Touristik vor Augen, wie immer mehr Druck sowohl auf Länder und Regionen als auch auf Mitarbeiter/innen und kleine wie mittlere Mitbewerber/innen (unabhängige Reiseveranstalter, Reisebüros und Hoteliers) ausgeübt wird. Besonders bemerkenswert ist der kritische Blick, den Rüdiger Liedtke auf die Auswirkungen des Massentourismus und ganz besonders des All inclusive-Geschäfts auf Ländern des Südens wirft. Er stellt fest, daß die Konzerne der ökologischen, sozialen und kulturellen Verantwortung, die sie gegenüber den Gastgeberländern und -regionen haben, bislang nur sehr unzureichend und oft nach dem "Feigenblatt"-Prinzip nachkommen. Liedtke entlarvt auch die angebliche Vielfalt des Angebots der "Big Player", die den Kunden durch üppige Kataloge und verschiedene Marken vorgaukelt wird. Ein Muss für alle, die hinter die Kulissen der Branche blicken möchten, die wie kaum eine andere mit Träumen spielt, welche in Wirklichkeit längst geplatzt sind.


Flugmagazin NRW, März 2003

Ein Blick hinter die Kulissen

Die Tourismusbranche erlebt eine nie gekannte Fusionswelle. Allein die drei größten deutschen Reisekonzerne – TUI, Thomas Cook und Rewe – beherrschen mehr als drei Viertel des deutschen Marktes und sind die größten in Europa. Sie besitzen alle Segmente eines integrierten Reisekonzerns: Reisebüros, Reiseveranstalter, Flugzeugflotten, Hotelketten und Zielgebiets-agenturen. Der Autor analysiert die Verflechtungen und Mechanismen innerhalb der Tourismusindustrie. Er beschreibt die Auswirkungen dieser Machtballungen in den Händen weniger – für die Reisebranche hierzulande, die einem verschärften Verdrängungswettbewerb unterliegt und zunehmend gleichgeschaltet wird, für die touristischen Zielgebiete, die verstärkt dem Diktat der großen Reisekonzerne ausgesetzt sind, in denen die Hoteliers und die örtliche Wirtschaft die neue Macht zu spüren bekommen. Und für die Reisenden selbst, die in uniformierten Pauschalangeboten, im Massen-tourismus zu versinken drohen. Er geißelt unter anderem die verheerenden Auswirkungen der Urlaubsform "all inclusive" für die um die Hotelanlagen liegende einheimische Infrastruktur, bei der lokale Restaurants, Einzelhändler oder Taxifahrer und viele andere leer ausgehen...


Die Tageszeitung taz, 24. August 2002

Die Urlaubsmacher

Mit wem sind Sie dieses Jahr in Urlaub gefahren? Mit TUI, Thomas Cook oder Rewe? Dann liegen Sie voll im Trend. Denn diese bestimmen immerhin für 50 Millionen Menschen, wohin die Reise geht. Sie verkaufen 80 Prozent aller Pauschalreisen in Deutschland. Sie diktieren die Spielregeln im milliarden-schweren europäischen Reisegeschäft. Aber auch in vielen Urlaubsländern sind sie zum Staat im Staat geworden. Sie dominieren nicht nur die einheimischen Hoteliers, sondern auch die Wirtschaft. Sie diktieren die Preise. "Das Urlaubs-Kartell", so der Titel eines Buches von Rüdiger Liedtke, gibt Einblick in die Struktur des globalisierten Reisemarktes, wo nur noch wenige Konzerne um viele Kunden wetteifern. So lange die weltweiten Ziele und Marktsegmente noch nicht völlig abgesteckt sind, profitiert der Kunde preislich vom Wett-bewerb der Giganten. Doch "der Wettbewerb unter marktdominanten Großkonzernen kann schnell zu monopolartigem Verhalten führen", so das Fazit des Autors. Dann sind die Kartelle frei in der Preisgestaltung auch Ihres Urlaubs. Schöne Ferien!


Magdeburger Volksstimme, 3. August 2002

"Das Urlaubs-Kartell" liest sich wie ein Krimi

Wer sich vom Titel oder Cover ein lockeres Urlaubsbuch, einen Ratgeber oder Reiseführer verspricht, sollte "Das Urlaubs-Kartell" von Rüdiger Liedtke lieber im Bücherregal liegen lassen. Wen jedoch interessiert, was sich hinter den Kulissen des deutschen Tourismusmarktes abspielt, wird um dieses Buch nicht herum kommen. Rüdiger Liedtke, Politikwissenschaftler und Journalist, analysiert die Reisekonzerne TUI, Thomas Cook und Rewe, die zusammen 80 Prozent aller Pauschalreisen in Deutschland verkaufen. Das Buch gibt jedoch auch manchen Tipp für Reisesuchende, die Wert auf individuellen Urlaub legen. Im Abschnitt "Der Tourist in der Hand der Veranstalter" findet er gute Ansätze, wie er dem Massentourismus entgehen kann. Dem "Reisebetrogenen" wird zudem ein Überblick gegeben, wie er zu seinem Recht kommt, und auf was er vor dem nächsten Urlaub achten sollte, damit er keine Panne erlebt.


Financial Times, 23. Juli 2002

Verreisen in Zeiten des Dschihad

(...) Den Platzhirschen nützt die Marktkonsolidierung – Rüdiger Liedtke beschreibt sie in düsteren Farben als "Urlaubskartell". Sechs Veranstalter beherrschen 86% des Marktes und sorgen dafür, dass Urlaub ein Industrie-produkt wird wie Autos oder Kühlschränke. Liedtke zeigt akribisch in Zahlen und Fakten die Marktdurchdringung von Urlaubskonzernen wie TUI, Thomas Cook oder Rewe-Touristik. Ihrer geballten Macht haben kleine Veranstalter und Dritte-Welt-Länder, die vom Tourismus leben, wenig entgegenzusetzen. Die Folgen sind bekannt: wenig Wettbewerb, noch weniger Verantwortung – Nachhaltigkeit ist für Touristiker bisher ein Fremdwort.

Die Grenzen des Wachstums sind gerade im Fremdenverkehr augenfällig, wenn der Tourist das zerstört, wonach er sucht: saubere Natur, Ruhe und Weltabgeschiedenheit. Zudem erweist sich das Argument, Tourismus helfe unterentwickelten Regionen, vielfach als fragwürdig: Insbesondere die Erfindung von All-inclusive nützt den Zielgebieten kaum, denn die Konsu-menten sind wie in einem Netz gefangen, bewegen sich in eingemauerten Urlaubsghettos auf den vorgegebenen Pfaden der Veranstalter. Nicht ein Euro fließt in die Taschen lokaler Anbieter.

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