Mittwoch,
23. August 2017

Das Energie-Kartell


Handelsblatt, 23. Juni 2006

Die Zeche zahlt der Kunde
Rüdiger Liedtke beschreibt das enge Geflecht zwischen Politik und Energiebranche

Die Konzerne dominieren den Energiemarkt in Deutschland. RWE, E.on, EnBW und Vattenfall Europe haben das Land unter sich aufgeteilt. Und trotz der Liberalisierung haben es neue Anbieter schwer, sich im lukrativen Strommarkt zu positionieren.

Die alteingesessenen Konzerne finden immer wieder Möglichkeiten, sich vor der Konkurrenz zu schützen. Von echtem Wettbewerb seien wir noch Jahr-zehnte entfernt, schreibt Rüdiger Liedtke in seinem Buch "Das Energiekartell". Die Gründe dafür findet Liedtke in der Vergangenheit.

Schon beim ersten von einer privaten Gesellschaft errichteten Elektrizitätswerk in Berlin schlossen Wirtschaft und Politik einen Pakt: Die Energiegesellschaft durfte die öffentlichen Wege für ihre Leitungen benutzen, die Stadt Berlin bekam im Gegenzug zehn Prozent der Bruttoeinnahmen. Damit wurde der Grundstein für eine enge Verbindung zwischen Energieindustrie und Politik gelegt. Beide Seiten profitieren noch heute davon. (...)

Dass Strom und Gas immer teurer werden, die Verbraucher unter der zu-sätzlichen Last stöhnen und die Politik scheinbar hilflos zuschaut, habe daher einen einfachen Grund, so Liedtke: Politik und Wirtschaft bilden im Energie-bereich ein Geflecht, das in keinem anderen Wirtschaftsbereich enger geknüpft sei. (...)

Liedtke überzeugt vor allem durch seine breit angelegte Analyse. So schafft er es nicht nur, Brücken aus der Historie in die Gegenwart zu bauen, sondern wagt auch den Blick in die Zukunft. (...)


Süddeutsche Zeitung, 17. Juni 2006

Im Reich der Energie-Milliardäre

Wenn in Deutschland ein Unternehmen ein echtes Imageproblem hat, dann ist es allzu oft ein Energieversorger. Sie gelten als "Abzocker", weil sie wieder mal die Preise erhöht haben; als zwielichtig, weil sie etwa Politiker auf Gehalts-listen führen; als wenig aufgeschlossen für den Wettbewerb, was wiederum wahlweise Kartellwächter aus Brüssel oder Bonn auf den Plan ruft. Wer noch Belege braucht für sein dumpfes Gefühl, am deutschen Energiemarkt gehe nicht alles mit rechten Dingen zu, der findet sie in Rüdiger Liedtkes Buch "Das Energie-Kartell" reichlich (...)

Liedtke ist an das Thema gründlich herangegangen. Er beginnt seine Unter-suchung der deutschen Energielandschaft beim Allgemeinen und kommt dann zum Speziellen: Erst analysiert er die Probleme der jüngeren Zeit – einen mäßig funktionierenden Wettbewerb um Strom- und Gaskunden, steigende Preise für die Industrie, wachsende Abhängigkeit von Lieferländern. Er untersucht, wie sich die Strukturen in der deutschen Energiewirtschaft überhaupt entwickeln konnten: Wie entstanden die vielen hundert Stadt-werke, die heute den Markt fragmentieren? Wie konnten parallel dazu wenige große Stromkonzerne ihre Macht aufbauen? Wie kam es zu dem Geflecht aus Politik und Unternehmen, das zunehmend auch Wettbewerbshüter beklagen?

Dann erst schaut Liedtke in das "Energiekartell" hinein, knöpft sich die vier großen Energiekonzerne E.on, RWE, EnBW und Vattenfall Europe einzeln vor, ebenso ihre mehr oder weniger erfolgreichen Widersacher. Von der Liberalisierung der deutschen Strom- und Gasmärkte, die offiziell 1998 ausgerufen wurde, bleibt am Ende nicht viel übrig. Liedtke sieht die Marktöffnung begraben unter gewachsenen Strukturen, zunehmender Macht der großen Anbieter und Vetternwirtschaft. (...) Der Wettbewerb relativierte nicht ihre Größe, sondern spornte sie erst zur Größe an: Sie fusionierten und sicherten sich Anteile an Stadtwerken und Regionalversorgern. (...)

Dennoch sieht der Autor Hoffnung. Neue Regeln, der Ehrgeiz der Bundes-netzagentur oder das Interesse ausländischer Energiekonzerne könnten den deutschen Markt für Strom und Gas erneut verändern. Wer Rüdiger Liedtkes sehr anschauliches Buch gelesen hat, wird darauf hoffen. 


Bild am Sonntag, 14. Mai 2006

Vier große Unternehmen teilen den deutschen Energiemarkt weitgehend unter sich auf. Ergebnis: stetig steigende Preise und die Abschottung des Markts gegen Mitbewerber. Rüdiger Liedtke berichtet von den Kartell, das die Bürger arm macht. Um den blanken Horror zu erleben, muss man nichts ins Kino gehen, sondern nur seine Rechnung über Strom und Gas ansehen. Autor Liedtke legt offen, wie die Verbraucher abgezockt werden, die Konzerne sich bereichern, und erklärt, warum daran auch die Politik nicht unschuldig ist. Ein interessantes, aufklärendes und wichtiges Buch.

 
Financial Times Deutschland, 3. Mai 2006

Unter Strom

(...) In seinem Buch "Das Energie-Kartell" beleuchtet Rüdiger Liedtke das "lukrative Geschäft mit Strom Gas und Wasser". Wer wissen will, warum E.ON RWE, Energie Baden-Württemberg (EnBW) und Vattenfall Europe heute den deutschen Strommarkt und den größten Teil des Gasmarktes kontrollieren, findet hier Aufschluss. Obwohl das Thema reichlich Anlass für Polemik bietet, bleibt Liedtke im Stil unaufgeregt, bisweilen nüchtern. Er beschreibt die Historie der Energiewirtschaft in Deutschland, die Strategie der vier Konzerne und das Versagen der Energiepolitik, die es nicht vermochte, am Strommarkt Wettbewerb zu schaffen und stattdessen beim Aufbau der neuen Branchenkolosse aktiv mitwirkte.


Live. Magazin im Saarland, Mai 2006

Die Preise für Strom und Gas steigen seit Monaten in verblüffender Rasanz in ständig neue Rekordhöhen. Dabei war uns Bürgern bei der marktwirtschaft-lichen Öffnung der Versorgung 1998 von der Politik das Gegenteil versprochen worden: Mehr Konkurrenz und die Selbstregulierungskräfte des Marktes würden zu sinkenden Preisen führen. Warum dann also diese Entwicklung? Ist das Erzeugung Zugänglichmachen von Strom und Gas soviel teurer geworden? Natürlich nicht.

In seinem Buch "Das Energie-Kartell" analysiert der Journalist Rüdiger Liedtke die tatsächlichen Ursachen. Er findet sie in monopolistischen Strukturen und eindeutigen Marktabschottungen (...) Rüdiger Liedtke gibt in seinem seriös recherchierten Bericht Einblicke in die Situation auf dem deutschen Energie-markt, beschreibt das Zusammenspiel von Politik und Wirtschaft, gibt Tipps, wie sich der Verbraucher gegen überhöhte Preise wehren kann, und ist in der Beschreibung jüngst in die Wege geleiteter Maßnahmen, die Quasimonopole aufzubrechen, auf aktuellem Stand.


Frankfurter Allgemeine - Hochschulanzeiger, Mai 2006

Wir alle spüren es am eigenen Portemonnaie - Strom, Gas und Wasser werden immer teurer. Wirtschaftsjournalist Rüdiger Liedtke ist überzeugt: Das liegt an der ungebrochenen Macht eines Energie-Kartells aus Konzernen wie RWE, E.ON, EnBW und Vattenfall, die von der Politik unterstützt werden. Schlimmer noch: Die Qualität unserer Versorgung bleibt dabei auf der Strecke. Drohen "amerikanische Verhältnisse" mit dem tagelangen Zusammenbruch der Strom-netze, weil die profitorientierten Unternehmen millionenschwere staatliche Subventionen zwar gerne kassieren, die Infrastruktur aber nur unzureichend pflegen? Ein überaus spannender Branchenreport.


Rheinischer Merkur, 20. April 2006

Ohnmächtige Verbraucher

Um 60 Prozent sind die Preise an der Leipziger Strombörse im vergangenen Jahr gestiegen. Und auch das Gas wurde mächtig teurer, manchmal um gut

30 Prozent. Insgesamt mussten die deutschen Verbraucher 2005 rund sechs Milliarden Euro mehr für Energie ausgeben als 2004. Rüdiger Liedtke sieht die Zeit gekommen, die Strukturen auf dem deutschen Energiemarkt einmal genauer zu untersuchen. Entstanden ist das "Energie-Kartell", ein Sitten-gemälde der großen deutschen Energiekonzerne. Die ersten 30 Seiten widmet Liedtke, der mit dem Standardwerk "Wem gehört die Republik?" Jahr für Jahr seine Kenntnisse um die deutschen Großkonzerne unter Beweis stellt, der Gemengelage von Volkszorn, ohnmächtigen Kartellbehörden und dreisten Energieunternehmen. Seine Recherchen berücksichtigen auch die Ent-wicklungen des Frühjahres 2006. Was dem noch folgen kann? Eine ganze Menge.

Liedtkes Analyse beginnt im 19. Jahrhundert, als sich das Energiekartell zu konstituieren begann und die Verzahnung von Wirtschaft und Politik ihren Anfang nahm. Er nennt die Fehler der Liberalisierung Ende der 1990er Jahre und erklärt die Strategien der großen Vier, die Deutschland untereinander aufgeteilt haben. Liedtke macht in aller Nüchternheit klar, wie E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW ihre Netze gesponnen haben, in denen Verbraucher und Politiker nun gefangen sind. So viele Hintergründe erleichtern ein Urteil darüber, warum die Preise derart steigen.

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